Die Elemente des japanischen Gartens – philosophisch betrachtet

In jede Neuanlage eines japanischen Gartens investieren wir unsere gesamte Kreativität und Kraft. Die detailgetreue Gestaltung erfordert die Kenntnis und Berücksichtung der architektonischen Regeln, die in der Philosophie der japanischen Gärten festgeschrieben sind. Wir möchten Ihnen hier einen kleinen Einblick in die Rolle einzelner Elemente geben, die in japanischen Gärten zum Einsatz kommen:

Dezentrales Arrangement

Durch das dezentrale Arrangement der Grundelemente im Japangarten – Stein, Wasser und Pflanzen – verwirklichen wir den besonderen, optischen Reiz eines echten japanischen Gartens. Dem Besucher präsentiert sich bei jedem Standortwechsel ein neuer, reizvoller Blick. So erlebt er innerhalb eines Gartens vielfältige Perspektiv-Wechsel, die ihm zahlreiche, überraschende Entdeckungen für Sinne und Seele schenken. Diese sorgfältig konzipierten Minitaturlandschaften lassen dem Betrachter die seltene Erfahrung zuteil werden, sich auf das wesentliche konzentrieren zu können und so die „Schönheit der Leere“ zu entdecken und zu begreifen, die in unserer westlichen, reizüberfluteten Welt leicht übersehen wird.

Felsen und Steine

Als Sinnbild für Charakter und Stärke stehen die naturbelassenen Formen von Felsen und Steinen im japanischen Garten. Sie versinnbildlichen als Kontrapunkt zu einer sich schnell verändernden Welt Beständigkeit und Standhaftigkeit. Oftmals sollen sie Tiere, insbesondere Vögel, oder Boote darstellen.
Hervorzuheben ist die Bedeutung des Karpfensteins. Die Legende vom Karpfen, der zum Drachen wurde, ist die Grundlage für die Gestaltung von Wasserfällen in japanischen Gärten: Von einer Gruppe großer Steine stößt ein steil hinunterstürzender Wasserfall auf einen schräg platzierten Stein – den Karpfenstein – hinunter. Dieser bricht so den Wasserfluss und lässt das Wasser in sehr natürlicher Art in den Teich spritzen, springen ja fast tanzen. Diese Szenerie lässt die Anwesenheit großer Kraft und Energie förmlich greifbar werden.

Tsukubai

Das niedrige Wasserbecken am Eingang ist ein ganz typisches Element der Philosophie des japanischen Gartens. Diente es früher der Reinigung der Hände von der Feldarbeit, so kam ihm im Laufe der Zeit immer mehr die Bedeutung einer spirituellen Reinigung zu. Gespeist wird das Wasserbecken in der Regel ständig über ein Bambusrohr. So wird vermieden, dass sich Krankheitserreger im stehenden Wasser vermehren könnten. Wird eine Schöpfkelle am Wasserbecken platziert, so legt man mit schwarzer Schnur verbundene Bambusstöcke im oberen Drittel quer über die Beckenfläche, die als Ablage für die Schöpfkelle dienen.

Wasser

Das Element des Lebens ist ein unverzichtbares Grundelement im japanischen Garten. Es stellt innerhalb der Miniaturlandschaften die Seen und Ozeane unserer Erde dar.
Im japanischen Kulturkreis ist der Wasserfall das Symbol für die Erleuchtung des Menschen.
Naturgetreue Wasserquellen zaubern einen leisen Klang beruhigender Musik und spiegeln den Himmel wieder – so wird eine Verbindung zwischen Himmel und Erde geschaffen.

 

Kare-san sui

Als Trocken(landschafts)garten verkörpert der kare-san sui eine abstrakte Sonderform des japanischen Gartens. Die Beschränkung auf die Grundelemente Stein, Kies und Moos ermöglichen sowohl bei der Betrachtung des Gartens sowie beim notwendigen Harken des Kieses ein Versinken in einen meditativen Gemütszustand.

Der Setzung einer ungeraden Anzahl von Steinen – einzeln oder in Gruppen zu fünf oder sieben Steinen – erfolgt in zufälligen Strukturen, um Naturnähe zu schaffen. Dem dann zu verwendenden Kies, Splitt oder Sand kommt die hohe symbolische Bedeutung von Raum, Himmel und Meer sowie des hohen Ziels des Nicht-Denkens zu. Wie das Wasser Steine und Inseln umspült, so wird der Kies mit der Harke in natürliche Verläufe von Gewässern oder Bächen um die gesetzten Steine gezogen. Kein Anfang und kein Ende, sonder ineinander übergehende Wasserlinien sind die hohe Kunst des original geharkten Kieses in einem Trockengarten.

Brücken

Das Anlegen von Brücken im japanischen Garten folgt dem Gedanken des Feng-Shui, dass sich das Böse in geraden Linien fortbewegt, jedoch Ecken nicht überwinden kann. Brücken mit abbiegendem Wegverlauf verwirren das Böse und lassen es ins Wasser fallen.

Häufig symbolisieren die Brücken in japanischen Gärten auch den Reiseweg des Menschen von der Erde in ein spirituelles Paradies. In jedem Fall spielen sie eine wichtige Rolle für Harmonie und positiven Einfluss und unterstreichen den beruhigenden und kontemplativen Charakter des japanischen Gartens.



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